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Buchempfehlungen Juni

Hier ist wieder eine Ausgabe unserer ganz persönlichen Buchempfehlungen unserer Vorstands- und Arbeitskreis-Mitglieder. Und jetzt sind SIE geneigte Leserin, geneigter Leser gefragt. Wir würden uns auch sehr über Lese-Empfehlungen von Ihnen freuen. Nur Mut, schreiben Sie uns. Wir möchten Ihnen damit eine Freude bereiten, Sie nicht mit Klappentexten oder hochgestochenen Feuilleton-Kritiken langweilen, sondern einfach Lust aufs Schmökern und Lesen machen. Seien Sie im Namen des Kulturrings herzlich gegrüßt

Päk

Karsten Dusse: Achtsam morden, Heyne Verlag

Björn Diemels Leben ist aus den Fugen geraten. Er ist Strafverteidiger in einer großen Kanzlei, er arbeitet zu viel und sieht seine Familie viel zu wenig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass einer seiner wichtigsten Klienten ein Mafia-Boss ist.
Um der kränkelnden Ehe noch eine Chance zu geben, besucht er auf Drängen seiner Frau ein Achtsamkeitstraining. Nach anfänglichem Zögern erkennt Björn was Achtsamkeit bedeutet, und beginnt damit seine Life-Work-Balance wieder in den Griff zu bekommen. Er folgt diesen Regeln mit konsequenter Logik und so ermordet er seinen Klienten nach genau diesen Grundsätzen.

Es ist ein flott geschriebener Krimi mit tiefschwarzem Humor. Jedes Kapitel wird von Passagen aus seinem Achtsamkeitsratgeber eingeleitet. Ganz nebenbei nehmen wir aus dieser Lektüre noch etwas mit fürs Leben, wir lernen etwas über Zeitinseln, geschützte Räume, digitales Fasten und wie man Ungeduld wegatmen kann.

Jutta Ramsbrock

 

 Dörte Hansen: Mittagsstunde, Penguin Verlag

Brinkebüll, ein Dorf in der schleswig-holsteinischen Geest, und Dr. Ingwer Feddersen sind untrennbar miteinander verbunden. Das einstige Kuckuckskind der Gastwirtsfrau macht unerwartet Karriere und kehrt doch immer wieder in sein Heimatdorf zurück. Er erlebt wehmütig den schleichenden Niedergang der Dorfgemeinschaft ab den sechziger Jahren am Beispiel des Gasthofes seiner Eltern und später mit dem Einzug von Neubürgern aus der Stadt die Entwicklung des neuen Brinkebülls. Der zweite Roman der Erfolgsautorin Dörte Hansen, nach „Altes Land“, beschreibt liebevoll und detailversessen, wie die hierarchisch und männergeprägte Dorfgemeinschaft funktionierte. Man schaute weg, wenn in Familien geprügelt oder fremdgegangen wurde, neidete dem Nachbar die kleinen Erfolge, hängte jedem einen wenig schmeichelhaften Spitznamen an und hielt doch nach außen zusammen und bugsierte die Schwachen mit rauer Herzlichkeit mit durchs Leben. Die Flurbereinigung ändert vieles, die Frauen lernen mit dem Autofahren neue Freiheiten kennen, das Patriachat bröckelt. Ein wunderbares Buch ohne jeden verklärenden rosa Zuckerguss, genauso war es damals in den kleinen Dörfern, jeder wusste alles über jeden und schaute doch weg „Dat geit di nix an“…

Karin Eichel

 

Christine Lipp-Peetz, Wohin die Reise geht, Hartung-Gorre Verlag Konstanz 

Die Idsteinerin Christine Lipp-Peetz beschreibt in ihrem Buch den Lebensweg ihres Verwandten Dr. Wienskowitz, der wegen seiner jüdischen Herkunft nach und nach seiner Existenz und seines Lebensplans beraubt wurde und schließlich in Theresienstadt starb.
Mit vielen Bildern und Dokumenten beschreibt sie eindringlich die langsame Vernichtung des Familienglücks des leidenschaftlichen und anerkannten Arztes und zeigt parallel dazu die perfide Maschinerie des Naziregimes.
Es hat mich gleichermaßen beeindruckt und berührt.

 Marianne Päthke- Kunkel 


Hanns Josef Ortheil, „ Rom, Villa Massimo“   Verlag btb 


Zur Information vorweg: Die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, kurz Villa Massimo, ist eine Kultureinrichtung in Rom. Sie gehört der Bundesrepublik Deutschland und ist die bedeutendste Einrichtung zur Spitzenförderung deutscher Künstler durch Studienaufenthalte im Ausland.
Ein Leseschmaus für Rom-und Kunstliebhaber mit Interesse an und für Sprache!
In Romanmanier lässt Ortheil, einst selbst Stipendiat der Akademie, den Lyriker Peter Ka aus Wuppertal (!) im Rahmen eines Stipendiums ein Jahr in Rom (!) in der renommierten Akademie Villa Massimo verbringen. Und aus der Sicht, dem Empfinden von Peter Ka, der Kunstfigur mit biographischen Zügen einschließlich satirischer Feder, nimmt die Leserin, der Leser den sehr speziellen Alltag in der sehr speziellen Villa wahr, in der seit über 100 Jahren Künstler aller Genres und jeglicher Eigenarten und Eitelkeiten Studiotür an Studiotür arbeiten. - Der Tochter Ortheils, Lotta Ortheil, sind die zahlreichen Fotos unterschiedlichster Motive zu verdanken, die den Charme dieses Buches zusätzlich bereichern.

 Mechthilde Scheid

 

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